Werkstoffverständnis bis zum Bruch

Die me­cha­ni­sche Be­schrei­bung von Fa­ser-Ther­mo­plast-Ver­bun­den ist an­spruchs­voll. Zum einen er­for­dert das me­cha­nisch nicht li­ne­a­re, or­tho­tro­pe Werk­stoff­ver­hal­ten die Cha­rak­te­ri­sie­rung von ins­ge­samt fünf Werk­stoff­funk­ti­o­nen zur voll­stän­di­gen Be­schrei­bung des Span­nungs-Deh­nungs­ver­hal­tens. Zum an­de­ren ist das Ver­sa­gens­ver­hal­ten stark vom je­wei­li­gen Be­an­spru­chungs­zu­stand und der Wech­sel­wir­kung ein­zel­ner Span­nungs­kom­po­nen­ten ab­hän­gig, wo­durch die Mo­del­lie­rung zu­sätz­lich er­schwert wird.

Um das volle Potenzial dieser Werkstoffe in der Praxis ausschöpfen zu können, verfolgen wir folgenden Ansatz:

Rasterelektronenmikroskopie eines kohlenstofffaserverstärkten Polymid-6

Experimentelle Charakterisierung

Die ex­ak­te Cha­rak­te­ri­sie­rung des me­cha­ni­schen Werk­stoff­ver­hal­tens ist ent­schei­dend für ei­ne ef­fi­zi­en­te Bau­tei­laus­le­gung von Fa­ser-Kunst­stoff-Ver­bun­den. Da­bei kommt der Aus­wahl und An­wen­dung ge­eig­ne­ter ex­pe­ri­men­tel­ler Me­tho­den zur Be­stim­mung der Werk­stoff­kenn­wer­te be­son­de­re Be­deu­tung zu. Im Un­ter­schied zu me­tal­li­schen Werk­stof­fen wie Stahl oder Alu­mi­ni­um, bei de­nen in der Re­gel zwei Kenn­wer­te (Elas­ti­zi­täts­mo­dul und Quer­kon­trak­ti­ons­zahl) aus­rei­chen, müs­sen bei Fa­ser-Kunst­stoff-Ver­bun­den im ebe­nen Span­nungs­zu­stand ins­ge­samt vier, und im all­ge­mei­nen Span­nungs­zu­stand so­gar fünf Kenn­wer­te be­stimmt wer­den. Dies er­for­dert den Ein­satz mehr­ach­si­ger Prüf­tech­ni­ken in Kom­bi­na­ti­on mit prä­zi­sen Mess­ver­fah­ren, wie bei­spiels­wei­se op­ti­scher Deh­nungs­mes­sung.

Für un­se­re Werk­stof­fe set­zen wir ge­nau die­sen An­satz um und schaf­fen da­mit die Vor­aus­set­zung, ihr vol­les me­cha­ni­sches Po­ten­zi­al in der An­wen­dung ge­zielt aus­zu­schöp­fen.

Zug-/Druck-Torsionsprüfkörper zur biaxialen Prüfung von Faser-Kunststoff-Verbunden
Mikroskopie eines Faser-Kunststoff-Verbundes
Versagen eines Faser-Kunststoff-Verbundes unter Druckbeanspruchung
Versagen eines Faser-Kunststoff-Verbundes unter Schubbeanspruchung

Werkstoffmodellierung auf eigener Datenbasis

Bruch­kur­ve von Koh­len­stoff­fa­ser-Po­ly­amid-6 (CF-PA6) im ebe­nen Span­nungs­zu­stand

Bruchkurve eines kohlenstofffaserverstärkten Polymid-6

Die er­mit­tel­ten Werk­stoff­kenn­wer­te müs­sen für Kon­struk­teu­re und Bau­tei­laus­le­ger pra­xis­ge­recht nutz­bar ge­macht wer­den. Die be­son­de­re Her­aus­for­de­rung liegt da­bei in der Be­schrei­bung der Ver­sa­gens­me­cha­nis­men, da Fa­ser-Kunst­stoff-Ver­bun­de je nach Span­nungs­in­ter­ak­ti­on un­ter­schied­li­che Ver­sa­gens­for­men zei­gen kön­nen.

Zu die­sem Zweck ha­ben wir ein ei­ge­nes Werk­stoff­mo­dell ent­wi­ckel­t, das ei­ne nicht li­ne­a­re Be­schrei­bung von Fa­ser-Ther­mo­plast-Ver­bun­den er­mög­licht und ein pas­sen­des Ver­sa­gens­mo­dell in­te­grier­t. Da­mit schaf­fen wir einen ein­fa­chen und ef­fek­ti­ven Zu­gang zur Aus­le­gung hoch be­an­spruch­ter Bau­tei­le auf Ba­sis un­se­rer Werk­stof­fe.

Un­ser Mo­dell baut auf den Er­geb­nis­sen mehr­jäh­ri­ger For­schungs­a­r­bei­ten des Leib­niz-In­sti­tuts für Ver­bund­werk­stof­fe (leib­niz-iv­w.­de) auf. In en­ger Zu­sam­me­n­a­r­beit mit dem In­sti­tut pas­sen wir die Mo­del­lie­rung kon­ti­nu­ier­lich an un­se­re neu­en Werk­stof­fe an.

Faserverbundgerechte Bauteilauslegung

Un­se­re Werk­stof­fe be­sit­zen ein enor­mes Po­ten­zi­al – vor­aus­ge­setz­t, sie wer­den ge­zielt und kor­rekt ein­ge­setz­t. Auf­grund ih­res rich­tungs­ab­hän­gi­gen me­cha­ni­schen Ver­hal­tens er­for­dern Bau­tei­le aus Fa­ser-Kunst­stoff-Ver­bun­den spe­zi­fi­sche kon­struk­ti­ve Ge­stal­tungs­prin­zi­pi­en. Be­son­ders kri­tisch sind Be­rei­che der La­stein­lei­tung so­wie sta­bi­li­täts­ge­fähr­de­te Zo­nen. Durch ge­ziel­te kon­struk­ti­ve An­pas­sun­gen kann hier ei­ne wirt­schaft­li­che, funk­ti­ons­ge­rech­te und ma­te­ri­a­l­s­pe­zi­fi­sche Aus­le­gung er­reicht wer­den.

Ei­ne blo­ße Sub­sti­tu­ti­on kon­ven­ti­o­nel­ler Me­tall­bau­tei­le durch Fa­ser-Kunst­stoff-Ver­bun­de führt in der Re­gel nicht zum ge­wünsch­ten Er­geb­nis.

Als Ent­wick­ler und Her­stel­ler die­ser Werk­stof­fe ver­fü­gen wir über tief­ge­hen­des Know-how und un­ter­stüt­zen Sie da­bei, ihr vol­les Po­ten­zi­al ge­zielt für Ih­re An­wen­dung zu nut­zen – auf Wunsch auch durch FEM-ge­stütz­te Aus­le­gung und Ana­ly­se. Hier­für set­zen wir un­ser ei­ge­nes Werk­stoff­mo­dell ein, das spe­zi­ell für die nicht li­ne­a­re Be­schrei­bung und das Ver­sa­gens­ver­hal­ten un­se­rer Fa­ser-Ther­mo­plast-Ver­bun­de ent­wi­ckelt wur­de.

Fertigungszeichung eines Bauteils
Zahnrad aus Faser-Kunststoff-Verbunden
Konzepte für Lasteinleitungen bei Faser-Kunststoff-Verbunden
Triaxialität der Werkstoffbeanspruchung eines Faser-Kunststoff-Verbundes unter Querdruck

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